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Psychologie für den Alltag

Psychologie für den Alltag

By Dr. med. Luciano Berti

Hallo hier spricht Dr. Luciano Berti. Ich habe Psychologie und Medizin studiert, bin Facharzt für Psychosomatische Medizin und möchte Ihnen in diesem Podcast einzelne Artikel aus den vier von mir veröffentlichen Büchern ‚Psychologie für den Alltag‘ (Band 1-4) vortragen. In diesen Büchern geht es mir darum, eine Fülle von wertvollen Informationen und Anregungen zu vermitteln, die sowohl tiefgründig als auch zugleich alltagstauglich sind. Vielleicht gelingt es dem ein oder anderen dadurch, sein individuelles 'Sternenzelt' neu zu ordnen.
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Psychologie für den Alltag - Es lohnt sich, gut für sich zu sorgen

Psychologie für den AlltagMay 04, 2021

00:00
16:10
Psychologie für den Alltag - Diwali - das indische Lichterfest - GB

Psychologie für den Alltag - Diwali - das indische Lichterfest - GB

Viele Europäer, die hier kaum noch einen Bezug zu ihren traditionellen Glaubenssystemen haben und nach Asien reisen, fühlen sich von den dort zelebrierten spirituellen Ritualen angezogen, berührt und innerlich bewegt. So habe auch ich Gisela Berti es auf meinen Indienreisen erfahren. Selbstverständlich spielt die Exotik, die schweren Düfte des Räucherwerks, die Blumengirlanden, Gesänge und die bunten Gewänder hierbei eine Rolle. Doch entscheidender, faszinierender ist die erlebbare Verbindung von Spiritualität und Alltag, die im Leben vieler Menschen in den Feierlichkeiten dort noch erhalten zu sein scheint.  Die Figuren der Götter und die ihnen zugesprochenen Eigenschaften sowie die einzelnen Feste weisen auf unsere inneren, nicht selten widersprüchlichen Anteile hin. Die Feiertage und Ihre Rituale helfen uns, das Gute in unserem Leben bewusst wahrzunehmen und auch mit dem Schwierigen, dass z. B. am Morgen eines Feiertages bewusst abgewaschen wird, besser umzugehen. In unseren eigenen, christlich geprägten Feiertagen ist für uns häufig dieser Bezug tief verborgen oder gar mit schweren, negativen Begriffen belastet. Die Rituale unserer Traditionen sind unserem Alltag so fern, dass wir den Sinn dahinter kaum noch sehen können.

 

So kann die Faszination für die uns zunächst fremden Feste freier Kulturen und Traditionen wieder tiefer zu unserer eigenen Spiritualität, zu inneren Werten und zu tief erlebter Freude und Dankbarkeit führen.

Apr 16, 202320:25
Psychologie für den Alltag - Warum wir uns vor dem Schein hüten sollten.

Psychologie für den Alltag - Warum wir uns vor dem Schein hüten sollten.

Wesentliche Voraussetzung für den inneren Frieden ist die Fähigkeit, tief in uns Vertrauen zu empfinden und dieses als die uns tragende Qualität anzuerkennen. 

 

Gelingt dies nicht, sind es Zweifel und Ängste vor der Ungewissheit, dem Nicht–Wissen und Nicht–Kennen, die uns bestimmen. Wir fühlen uns ausgeliefert, zutiefst verunsichert und ohnmächtig, suchen nach Anlehnung, Hilfe, Orientierung und Gewissheit, die uns nicht wirklich zukommen kann. Vermeintliche Propheten unterschiedlicher Ausrichtung, versuchen uns dann anhand ihrer Überzeugungen und ihres Glaubens, Sicherheit und Halt zu vermitteln. Die Hinwendung an solche Heils–Botschaften ist umso mehr verführerisch, wenn die persönliche Not als unerträglich empfunden wird. Es erscheint so, als seien wir darauf angewiesen uns wissend und kompetent zu erleben. 

 

Wo auch immer die vermeintlichen Hilfen und Überzeugungen herkommen, stets sind sie verbunden mit dem Angebot von Antworten auf bisher nicht gelöste Fragen. In allen Bereichen unseres Lebens sind wir damit konfrontiert, fühlen uns aufgefordert, den uns dargelegten Erklärungen und Schlussfolgerungen zu folgen – im Privaten, wie auch im Bereich der Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und der Gesundheit. Denn wir haben tief in uns verinnerlicht, dass Wissen Macht bedeutet und im Umkehrschluss Unwissen Ohnmacht.  

Apr 03, 202328:46
Psychologie für den Alltag - Ermessensspielraum - Zauberformel

Psychologie für den Alltag - Ermessensspielraum - Zauberformel

Was soll ich denn bestimmen können? Diese Frage könnte bei dem ein oder anderen tief verankert unbewusst vorliegen und unser Leben bestimmen. Doch ist es wirklich so, dass wir in dem uns häufig als Botschaft vermittelten Ausmaß ausgeliefert sind und uns an den umgebenden Muss-, Soll- und Kann-Vorschriften ausrichten müssen oder sollten? Es erfordert eine gewisse mentale Schulung bei allen Vorgaben stets auch nach den möglichen Freiräumen zu suchen bzw. uns jeweils bewusst zu machen, dass wir immer auch die Möglichkeit haben, persönlich Stellung zu beziehen und zu entscheiden, in welchem Fall und in welchem Ausmaß wir uns anpassen und einordnen wollen. Hierbei geht es nicht darum, sich die Freiheit zuzugestehen, bei Rot über die Ampel zu fahren und das Missachten einer solchen Verkehrsregel als Ausdruck und Beleg einer persönlichen Freiheit zu verstehen und zu deklarieren. Jedoch geht es darum, uns bewusst zu machen, dass selbst eine solche Vorgabe, je nach den gegebenen Umständen, ihre Relativierung erfahren kann. Auch hier gelten die grundsätzliche Erkenntnis und Einsicht, dass alles immer auch eine Frage der jeweiligen Perspektive ist.

 

Dies führt zu einem ganz entscheidenden Hinweis, welcher sich auf einen Freiheitsgrad bezieht, den wir in nahezu allen Situationen unseres Lebens heranziehen und berücksichtigen können. Es ist der sogenannte Ermessensspielraum, den wir haben.

Mar 26, 202317:59
Psychologie für den Alltag - Wieso finde ich meinen Wunschpartner nicht?

Psychologie für den Alltag - Wieso finde ich meinen Wunschpartner nicht?

"Vielleicht sollte ich mich abfinden und mich von meinen Wünschen, Vorstellungen und Erwartungen lösen, sonst könnte es irgendwann zu spät sein.“

 

Verbunden mit solchen Überlegungen und Selbstgesprächen sind meist Gefühle der Niedergeschlagenheit und Resignation, manchmal auch tief depressive Stimmungen, die mit einem Verlust an Energie, Vitalität und Lebensfreude einhergehen. Feststellen zu müssen, dass eine tief in uns verankerte Sehnsucht nach einer Partnerschaft nicht erfüllt ist, lässt unter Umständen all diese Gefühle in uns entstehen. In vielen Fällen führt es auch dazu, dass das eigene Selbst in Frage gestellt wird, womit es zu Selbstbezichtigungen, Selbstvorwürfen oder Selbstanklagen kommt. „So wie ich bin, kann mich ja niemand wollen“ heißt es dann. Dies verbunden mit der Überzeugung es offensichtlich nicht verdient zu haben, einen Wunschpartner zu finden. Die Gründe werden sowohl im Äußeren, dem körperlichen Erscheinungsbild und den sozialen Faktoren als auch im inneren den Merkmalen der Persönlichkeit bzw. des Charakters gesucht. Gemeinsam ist ihnen stets, dass es um Defizite oder Fehler geht, welche für das empfundene Unglück bzw. die empfundene Zurückweisung oder Ablehnung verantwortlich sind.

Mar 18, 202323:14
Psychologie für den Alltag - Warum können wir uns nie zufrieden geben? Gedanken zur menschlichen Gier

Psychologie für den Alltag - Warum können wir uns nie zufrieden geben? Gedanken zur menschlichen Gier

Warum sind die Gier und der Geiz nach wie vor unsere ständigen Begleiter?

Aus meiner klinischen Erfahrung offenbart der Verlauf der psychotherapeutischen Prozesse, in welchen dieses fortlaufende Streben nach mehr im Sinne des Genug-ist-nicht-genug sichtbar wird, dass es sich bei solchen Patienten in nahezu allen Fällen um Menschen mit einem sehr schwach ausgeprägten Selbstwertempfinden, geringem Selbstbewusstsein und ebenso schwachem Selbstvertrauen handelt. Das eigene Selbstverständnis gleicht einem Fass ohne Boden, in das stets nachgeschüttet werden muss, da der Inhalt nicht aufbewahrt werden kann. Es kommt nur vorübergehend zu einem guten Gefühl, welches jedoch sehr schnell wieder abklingt, um einer sich einstellenden, vertrauten Leere Platz zu machen. An diesen Stellen des therapeutischen Prozesses wird erkennbar, dass das fortlaufende gierige Streben nach mehr, verbunden mit dem Gefühl, dass die erlebte Anerkennung, der sich einstellende Erfolg und die erfahrene Belohnung nicht ausreichen, nicht mehr als ein Versuch der Kompensation ist. Es ist das Bemühen, einen Ausgleich zu schaffen für das, was vermisst wird: Ein Gefühl der umfassenden und tiefgehenden Zufriedenheit. Insofern können wir hierin die gleiche Grundlage erkennen wie sie bei jeder Suchtkrankheit (Alkohol, Drogen, Spielen, Sexualität usw.) gegeben ist. Auch die uns kennzeichnende Gier hat den Charakter einer Sucht und folgt insofern der gleichen Psychodynamik.

Mar 12, 202321:54
Psychologie für den Alltag - Was hat ein Psychotherapeut mit einem Landwirt gemeinsam?

Psychologie für den Alltag - Was hat ein Psychotherapeut mit einem Landwirt gemeinsam?

Anhand der Analogie zwischen Psychotherapeut und Landwirt wird deutlich, wie intensiv und auch langwierig die zu vollführende Arbeit auch am eigenen Selbst sein kann. Wie bei der Arbeit an dem Boden ist der größte Anteil der Arbeit auch in der Psychotherapie zum einen der gründlichen Vorbereitung des Bodens gewidmet, zum anderen dem wiederkehrenden, geduldigen Durcharbeiten des bereits Erkannten. Hier reicht es nicht, eine einmalige Erkenntnis und Einsicht zu gewinnen, um diese dann sicher und voller Überzeugung anzuwenden. Anhand wiederkehrender und auch wechselnder bzw. neuer Lebenssituationen ist diese Arbeit des Durcharbeitens fortlaufend von Neuem zu leisten.

Wünschenswerterweise sollte sich mit zunehmender Dauer der Psychotherapie bei dem Betroffenen das Gefühl einstellen, aus eigenen Stücken viele der entscheidenden Erkenntnisse und Einsichten entwickelt bzw. gewonnen zu haben, so dass die tatsächlichen, Hilfe bietenden Interventionen von Seiten des Therapeuten in der Erinnerung und dem Erleben des betroffenen Patienten immer mehr in den Hintergrund treten und verblassen.

Mar 05, 202319:18
Psychologie für den Alltag - Was machen Gefühle mit uns?

Psychologie für den Alltag - Was machen Gefühle mit uns?

Wichtig ist es für uns zu erkennen, dass es weniger die Gefühle, Emotionen und auch nicht die Affekte sind, die verantwortlich sein können, für das, was wir als Grundlage unserer Befindlichkeit erleben, sondern die für uns persönlich, d. h. subjektiv damit verbundenen gedanklichen, bewussten und unbewussten erlebnismäßigen Inhalte. Diese Inhalte können Erlebtes sein im Sinne von Traumatisierungen, Verletzungen, Kränkungen oder im Gegensatz hierzu im Fall von positiven Affekten empfundene positive Erlebnisse, welche mit angenehmen Erinnerungen vielleicht auch einmaligen Glücksmomenten verbunden sind. Wobei diese aufgrund deren positiver Wertigkeit nicht wirklich einer Verdrängung anheimfallen müssen. Mit solchen positiven Inhalten stehen wir nicht im Konflikt. Probleme haben wir hingegen mit all dem von uns als negativ empfundenen. Was auch immer in uns an erlebnismäßigem Inhalt vorliegt, kann die Ursache für starke Gefühle, Emotionen oder auch Affekte sein.

Je mehr es sich um Affekte handelt, umso mehr sind wir der Gefahr sehr starker, nicht steuerbarer Reaktionen auf allen Ebenen unseres Seins ausgeliefert. Insofern ist es ratsam, immer dann, wenn wir solche starken ganzheitlichen Reaktionen in uns wahrnehmen, uns daran zu erinnern, dass es hierfür stets in uns verborgene Erlebnisinhalte gibt, welche uns die Erklärung für das, was sich gerade erlebnismäßig vollzieht geben können.

Feb 26, 202323:14
Psychologie für den Alltag - Unsere Bereitschaft uns zu unterwerfen

Psychologie für den Alltag - Unsere Bereitschaft uns zu unterwerfen

Das Leistungsstreben sowie der damit verbundene Konkurrenzkampf sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten innerhalb unserer Gesellschaft nicht geringer geworden, sondern haben sich deutlich gesteigert. Unsere gesamte Sozialisation ist von klein auf darauf ausgerichtet, uns auf die Anforderungen in der Gesellschaft vorzubereiten und dafür geeignet zu machen. Die Vorgaben und Erwartungen sind an vielen Stellen institutionalisiert und werden auf diese Weise bereits vom Kindergarten an, über die Grundschulen und weiterführenden Schulen bzw. in den Weiter- und Ausbildungen als anzustrebende Werte und Ziele vermittelt.

In gleicher Weise, wie wir uns in der Kindheit an unseren Eltern bzw. den Erziehern und Lehrern ausrichten sollen, müssen und sollen wir es im Erwachsenenalter den Institutionen des Staates gegenüber tun. Ihm gegenüber sind wir in einer gewissen Bringschuld. Das, was wir als Freiheit begreifen können, wird uns explizit zugestanden, vorausgesetzt wir erkennen das Gewalt-Monopol des Staates an. Die Fähigkeit, uns unterzuordnen und zu unterwerfen, haben wir von klein auf verinnerlichen können, so dass wir darin geübt sind. Wir sollen keinen Anlass sehen an der Rechtmäßigkeit der staatlichen Institutionen zu zweifeln, ebenso wenig an deren Recht, Maßnahmen zum Schutz von uns allen zu ergreifen.

Feb 19, 202318:42
Psychologie für den Alltag - Das Schicksal kann manchmal ein Arschloch sein

Psychologie für den Alltag - Das Schicksal kann manchmal ein Arschloch sein

Wenn wir uns dann dem, was uns das Schicksal beschert hat stellen, kann es sein, dass wir mit sehr starken, uns überflutenden Gefühlen reagieren. Auch in dieser Phase der starken emotionalen Betroffenheit, befinden wir uns noch in einem inneren Aufbegehren und Kampf gegen das, was uns widerfahren ist. Wichtig ist es zunächst in einer grundsätzlichen und wahrhaftigen Weise diese neue jetzt gegebene Situation anzunehmen als eine Realität, der wir uns jetzt gegenübersehen. D. h., dass wir auch die Auswirkungen auf uns in allen Bereichen unseres Lebens verständnisvoll als nachvollziehbar und natürlich annehmen, an dieser Stelle einen Frieden damit schließen. Dies erst gibt uns die Möglichkeit uns neu zu orientieren, alle unsere uns verbliebene Kraft und Energie dafür einzusetzen, einen jetzt hilfreichen und sinnvollen Weg zu suchen und zu finden, um uns aus dieser Not zu befreien.

Je mehr wir uns den zunächst angemessenen und natürlichen Gefühlen der Verzweiflung und Hilflosigkeit überlassen um so mehr werden wir die Bedrohung und die Erschütterung empfinden, was wiederum zu einer Verstärkung der negativen Gedanken und Empfindungen führt. Tatsächlich droht hier die Gefahr in einen sich selbst verstärkenden Kreis negativer Energien zu geraten, aus dem es dann kein Entrinnen gibt und der alles, was wir gerade erleben noch viel schlimmer und damit auch schmerzhafter, sowie auswegloser macht.

Feb 12, 202321:20
Psychologie für den Alltag - Wie mache ich aus einem Elefanten eine Mücke?

Psychologie für den Alltag - Wie mache ich aus einem Elefanten eine Mücke?

Im Verlauf vieler psychotherapeutischer Prozesse bzw. Behandlungen lässt sich immer wieder erarbeiten und feststellen, dass sich die betroffenen Patienten in ihrem Erleben und ihren Reaktionen häufig von dem leiten lassen, was in ihnen als Vorstellung, Befürchtung und Phantasie vorhanden ist, weniger von dem, was sich aufgrund der jeweils gegebenen realen Situation ableiten lässt. Ein wichtiger Schritt zu einer angemessenen Einschätzung der Realität, besteht darin, sich selbst einzugestehen, dass die eigenen Vorstellungen, Phantasien, Befürchtungen und Ängste eine bedeutende Rolle in unserer Wahrnehmung und Bewertung der Realität spielen. Diese Einsicht erst kann es uns ermöglichen zu prüfen, wie sehr sich das, was uns bewegt mit dem, was im Außen vorzufinden ist, in Übereinstimmung steht. Sind wir in der Lage eine solche Prüfung vorzunehmen, können wir dies als den Vorgang der „Realitätsprüfung“ bezeichnen.

Je mehr wir uns an der Realität ausrichten, umso weniger werden wir unseren eigenen inneren Vorstellungen und Phantasien ausgeliefert sein. Eine Realitätsprüfung ist immer damit verbunden, dass wir uns einem Äußeren konkreter zuwenden, das heißt genau hinschauen, hinhören, fühlen, riechen und schmecken wollen. Dies bedeutet bereit zu sein unsere jeweils angesprochenen Sinnesorgane einzusetzen, um das, was draußen ist, wahrzunehmen.

Feb 04, 202321:27
Psychologie für den Alltag - Warum ist es so schwer, ungünstige Eltern Prägungen zu transformieren?

Psychologie für den Alltag - Warum ist es so schwer, ungünstige Eltern Prägungen zu transformieren?

Es sind nicht selten tiefe Lebenskrisen, welche zu einem Innehalten führen können, verbunden mit der Frage: „Habe ich etwas falsch gemacht?“ bzw. „Was muss ich tun, damit sich mein Leben verändert?“ Tatsächlich kennen wir alle solche Momente im Leben. Doch sind es meist solche Momente der Krise und des Einbruchs, von denen eine neue Weichenstellung ausgehen kann. Insofern steckt in ihnen das Potential für etwas gänzlich Neues, Unbekanntes und bisher in dieser Weise noch nicht Gelebtes. Wenn die davon betroffenen Menschen, die Chance erkennen können und damit die Bereitschaft in sich entdecken einen neuen Weg zu gehen, haben sie tatsächlich die Möglichkeit das Sternenzelt unter dem sie sich bisher bewegt haben neu zu ordnen.

Die grundlegende Voraussetzung hierfür ist jedoch, die Bewusstheit, sich von den bisher prägenden biographischen Vorbildern und den von diesen übernommenen negativen, selbst- und fremdschädigenden Anteilen des Denkens, Fühlens, Entscheidens und Verhalten distanzieren zu wollen. Dies um sie letztlich zu transformieren und somit zu überwinden. Der hiermit verbundene Prozess ist unter Umständen lange und bedarf einer intensiven Arbeit an sich selbst, vielleicht auch der Hilfe eines anderen Menschen, doch lohnt er sich gegangen zu werden.

Jan 28, 202321:49
Psychologie für den Alltag - Sind wir unsterblich?

Psychologie für den Alltag - Sind wir unsterblich?

Auch wenn der Existenz des Körpers nur eine zeitliche Begrenzung zukommt, waren bereits die griechischen Philosophen wie Platon (428/27–348/347) und Aristoteles (384–322 v. Chr.) davon überzeugt, dass die Seele des Menschen nicht zerstört werden könne, da sie immateriell sei. Dieses Verständnis deckt sich mit den Überzeugungen, die wir in vielen Kulturen über alle Zeiten hinweg finden können. So zum Beispiel auch bei dem Volk der nordamerikanischen Indianer, für die Mensch und Natur untrennbar miteinander verbunden sind, da ohnehin alles Lebendige von geistigem Wesen ist. In deren Mythen, folgt auf das irdische Leben ein Dasein in den Ewigen Jagdgründen – dem Jenseits. In diesen treffen die Geister der Menschen, welche im Leben miteinander verbunden waren, erneut zusammen. Dem Kreislauf der Wiedergeburten folgend, werden die Geister der Verstorbenen nach einer begrenzten Dauer in neuen Körpern auf der Erde ihrer Ahnen wiedergeboren.

Solche Überzeugungen, wonach das Leben mit dem irdischen Tod nicht endet, gehen weit in unsere Menschheitsgeschichte zurück und sie bestimmen uns auch heute nach wie vor.

Jan 22, 202316:35
Psychologie für den Alltag - Farben und ihre Bedeutung für uns

Psychologie für den Alltag - Farben und ihre Bedeutung für uns

Sehen wir die Farben, die uns und die Welt, in der wir leben, kennzeichnen, kommen wir der Wirklichkeit viel näher, können mehr von ihr aufnehmen und folglich viel besser verstehen. Über die darstellende Kunst in Form von farbigen Zeichnungen, Skizzen, Bildern, Gemälden und Architektur haben uns viele große Künstler in der Menschheitsgeschichte über Jahrtausende ihr Verständnis und ihre Sicht der Natur und des Lebens vermittelt. Hierbei vermittelte sich zugleich die Energie, welche von den Farben ausgeht.

Sehen wir eine Farbe, sind wir nicht passiv aufnehmend, sondern wir schaffen aktiv ein Bild in unserem Gehirn, so wie wir es in einer grundsätzlichen Weise mit all unseren Wahrnehmungen und allen Sinneseindrücken tun. Jede Farbe, welche wir wahrnehmen, löst eine große Anzahl von bewussten und unbewussten Assoziationen entlang unseren bisher gemachten Erfahrungen, aus. Zugleich sind damit Empfindungen unterschiedlicher Qualität verbunden. Die Bedeutung, welche wir mit Farben verbinden, richtet sich sowohl nach allgemeinen, für uns alle damit assoziierten Inhalten, als auch nach persönlichen Erfahrungen, die in uns individuell abgelegt sind.

Jan 13, 202322:38
Psychologie für den Alltag - Ein Versprecher - der Zungenschlag ins Unbewusste

Psychologie für den Alltag - Ein Versprecher - der Zungenschlag ins Unbewusste

Im Alltag sind wir es in vielen sozialen Situationen, in denen uns Fehlleistungen unterlaufen, gewohnt zu sagen, das sei Zufall gewesen und hätte keine weitergehende Bedeutung. Mit dieser Erklärung geben wir uns meist zufrieden und sind nicht zwangsweise bestrebt weiter zu fragen. Genau dies hat Freud jedoch empfohlen und im Rahmen seiner Analysen getan. Er war aufgrund seiner analytischen Theorie und auch seiner klinischen Erfahrung der festen Überzeugung, dass solche Fehlleistungen keineswegs zufällig zustande kommen. Ganz im Gegenteil seien sie Ausdruck von unbewusst in uns vorhandenen Motiven, wie Wünschen, Sehnsüchten, Befürchtungen, Ängsten und Abneigungen.

Meine langjährige klinische Erfahrung mit Menschen im Rahmen ihres psychotherapeutischen bzw. Selbsterfahrungsprozesses, lässt für mich eine ‚naive‘ Sicht der Versprecher als Ausdruck einer Fehlleistung – ohne einen Bezug zu dem Unbewussten nicht nachvollziehen. In nahezu allen solchen Situationen lassen sich mit Geduld und der notwendigen Offenheit für die assoziativen Einfälle des Betroffenen überzeugende, zunächst verborgene bzw. nicht bewusste Gründe für die jeweiligen Versprecher finden.

Jan 08, 202322:04
Psychologie für den Alltag - Über das Verhältnis des Ich zum Wir

Psychologie für den Alltag - Über das Verhältnis des Ich zum Wir

Der Aufruf zu der Sokrates, griechischer Philosoph (469-399 v.Chr.), zugeschriebenen Afforderung 'Erkenne dich selbst!', ist vergleichbar mit der Anforderung einer Reise der Selbsterfahrung im Rahmen der analytischen Psychotherapie.
Wir dürfen davon ausgehen, dass im Verlaufe dieser Reise der Entdeckung des eigenen Selbst, sich die Tür zu der ursprünglich in uns niedergelegten, tief verankerten Erfahrung der Verbundenheit – unserer Matrix bzw. unseres Urgrundes – öffnet. Diese Erfahrung der Verbundenheit können wir als die höchste oder auch tiefste anzustrebende Erkenntnis und Erlebnisqualität bezeichnen. Im Sanskrit steht das Wort Yogafür die Verbindung. Im hinduistischen Sinne ist es die Verbindung der individuellen Seele mit dem universellen Geist.
Verstehen wir die Verbindung als Sinnbild eines Wir, so können wir erkennen, dass das Wir von weit größerer Bedeutung ist, als es das Ich bzw. das Selbst sein kann. Ein Ganzes kann niemals kleiner sein als ein Teil davon und ebenso kann ein Teil niemals größer sein als das Ganze in welches es eingebettet ist. Diese Einsicht sollte unser Verhältnis zum Ich und zum Wir bestimmen.
Dec 31, 202217:27
Psychologie für den Alltag - Schein und Illusion - Was ist der richtige 'yogische' Weg in Krisenzeiten?

Psychologie für den Alltag - Schein und Illusion - Was ist der richtige 'yogische' Weg in Krisenzeiten?

Maya bedeutet wörtlich: Schein, Trug und Illusion. Was ist damit gemeint? Sollen wir unserem Nachbarn, der um seine Existenz bangt sagen: „Keine Angst alles ist Schein.“ Ist gelassen zu bleiben, zu lächeln und zu meditieren die Lösung, während es möglicherweise Menschen, aus nicht nachvollziehbaren Gründen verwehrt ist, ihren kranken, vielleicht sogar sterbenden Angehörigen beizustehen, sie zu sehen? Ist es wirklich angebracht innerlich gelassen bleiben, wenn wir Menschen in unserer Nähe und anderswo auf unterschiedlichste Art leiden sehen und wir dieses Leiden für vermeidbar halten? Ist das der zu empfehlende Weg für Yoga-Praktizierende mit solchen Herausforderungen umzugehen, um sie damit vielleicht hoffnungsvoll auszusitzen?

Ramana Maharshi (1879–1950) ein großer indischer Guru und Weisheits-Lehrer hat sich in seiner Lehre genau mit diesem Thema befasst. Seine Empfehlung war es, häufig das eigene Selbst zu erforschen und Hingabe zu üben. Er sagte: "Das Ergebnis all dessen ist, dass die Erscheinungen der Welt real sind, wenn sie als Selbst erfahren werden und illusionär, wenn sie als getrennt vom Selbst erfahren werden.“ Er unterschied hierbei sehr genau zwischen dem Selbst und dem Ego, so sagte er: “...wenn du ernsthaft nach dem Selbst suchst, verschwindet der Ich- Gedanke.“

Er war somit durchaus der Meinung, dass man betroffen sein sollte.

Dec 24, 202217:20
Psychologie für den Alltag - Wie kann ich jemanden erreichen, der beratungsresistent ist?

Psychologie für den Alltag - Wie kann ich jemanden erreichen, der beratungsresistent ist?

Sehen wir uns einem abwehrenden Verhalten als Ausdruck eines Widerstandes gegenüber, welches uns zunächst den Eindruck einer Beratungsresistenz des anderen vermittelt, ist es wesentlich sinnvoller den Versuch zu unternehmen, sich in diese Abwehr einzufühlen und sie zu verstehen, um in der Folge nachvollziehen zu können, warum der bekundete Widerstand so ausgeprägt ist und das Verhalten des Betroffenen bestimmt. Wie die Erfahrung zeigt, sind es nicht selten Ängste, Befürchtungen, Schamgefühle oder auch Unsicherheiten und Gefühle des mangelnden Selbstwertes, welche die Akzeptanz kritischer Rückmeldungen bzw. abweichender Sichtweisen und Überzeugungen erschweren. Aus unseren alltäglichen Erfahrungen können wir erkennen, dass es hingegen häufig Menschen mit einem sehr starken authentischen Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein sind, die am ehesten mit Kritik oder Infragestellungen bzw. auch abweichenden Meinungen, Haltungen und Überzeugungen gut umgehen können. Solche Menschen scheinen über die notwendige Souveränität zu verfügen, um sich einer Konfrontation bzw. Infrage-Stellung zu öffnen. Sie können es, weil sie offensichtlich in sich selbst ruhen und somit keine Angst vor Erschütterungen haben. Sie werden sich nicht vollkommen bzw. ganzheitlich in Frage gestellt sehen. Genau dies jedoch ist häufig bei Menschen der Fall, deren Verhalten durch einen erkennbaren deutlichen Widerstand bzw. eine Abwehr gekennzeichnet ist. Diese fühlen sich zumeist in der Tiefe ihres eigenen Selbst ganz und grundsätzlich in Frage gestellt. Insofern geht es für sie nahezu immer um das Ganze.

Wesentlich erleichtert wird eine solche Auseinandersetzung mit einem Menschen, den wir zum Beispiel mit einer Spiegelung konfrontieren möchten, wenn wir in einer grundsätzlichen inneren Haltung entschieden haben seinen möglichen Widerstand zu respektieren. In einem solchen Respekt bekundet sich die Achtung und Wertschätzung der individuellen Persönlichkeit des anderen, sowie auch seines Bedürfnisses sich mittels eines Widerstands bzw. einer Abwehr zu schützen.

Dec 17, 202224:38
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Zivilcourage

Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Zivilcourage

Der Begriff der Zivilcourage wurde wohl erstmals 1835 in Frankreich unter der Bezeichnung courage civil verwandt. In Deutschland wurde er offiziell erstmals 1864 von Otto von Bismarck (1815–1898), deutscher Politiker und Staatsmann, eingeführt. Gerd Meyer (geboren 1942), Politikwissenschaftler, definiert Zivilcourage bzw. den sozialen Mut als eine bestimmte Art des sozial verantwortlichen Handelns in Situationen, in welchen Werte einer grundsätzlichen Bedeutung und auch soziale Normen wie die Menschenwürde, Menschenrechte und Gerechtigkeit oder die physische oder psychische Unversehrtheit einer Person verletzt werden. Mit Zivilcourage handelt derjenige, der bereit ist, trotz drohender Nachteile für die eigene Person, als Einzelner z. B. für die Wahrung humaner und moralischer Werte einzutreten. Wesens-merkmale der Zivilcourage sind u. a. Hilfsbereitschaft, Tapferkeit und Mut.

Menschen mit Zivilcourage befinden sich meist in einer Situation, gegen den Strom zu schwimmen, was bedeutet, dass sie sich in ihrem Denken und Verhalten offensichtlich nicht an einer Mehrheit ausrichten, sondern dieser sogar entgegengestellt sind.

Dec 08, 202221:06
Psychologie für den Alltag - Alphabet wertvoller Tugenden - ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Psychologie für den Alltag - Alphabet wertvoller Tugenden - ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Im Rahmen meiner psychotherapeutischen Praxis bin ich immer wieder mit der Aussage konfrontiert: Ich weiß nicht, was ich tun soll. bzw. Ich weiß nicht, was ich tun muss. An dieser Stelle, frage ich stets: „Was wollen Sie denn tun?“, verbunden mit dem Hinweis, dass es doch offensichtlich vielmehr darum geht herauszufinden, was der eigene, individuelle Wille bzw. Wunsch ist. In diesem Verständnis ist es nicht von Bedeutung was im Sinne von anderen getan werden soll oder getan werden muss, denn dies würde bedeuten die Orientierung für das eigene Denken, die eigene Entscheidung und das eigene Tun nach außen zu verlagern. Dies schließt natürlich ein, dass die Entscheidung bezogen auf das eigene Tun sich danach ausrichten darf, was wir auch jedem anderen Menschen zugestehen würden. Es sollte insofern nichts sein, was wir selbst von einem anderen nicht erleben möchten.

Es geht somit in solchen Lebenssituationen darum sich der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung bewusst zu werden. Das mit diesem Fragen (was soll ich oder muss ich) verbundene Anliegen ist ganz offensichtlich, eine Orientierung im Außen zu finden, da keine innere Orientierung im eigenen Selbst vorliegt. Voraussetzung für die Orientierung, die wir in uns selbst suchen können, ist es, dass wir Werte verinnerlicht haben nach denen wir unser Selbst-Verständnis und unser gesamtes Leben ausrichten wollen. Verbunden mit diesen essentiellen Werten darf ein Bewusstsein für deren Bedeutung sein.

Dec 02, 202231:28
Psychologie für den Alltag - Warum wir stets nach einer guten Gestalt streben bzw. offene Fragen schließen wollen

Psychologie für den Alltag - Warum wir stets nach einer guten Gestalt streben bzw. offene Fragen schließen wollen

In vielen Situationen des Alltags, in denen es um Menschen und deren Wahrnehmung und Beurteilung geht, sind wir bestrebt, einen Zustand herzustellen, der damit verbunden ist 'offene Lücken' zu schließen bzw. offene Fragen zu beantworten. Das, was uns offensichtlich nur schwer erträglich ist, ist die Lücke, das Unvollkommene, bzw. das Offene. Dies ist vergleichbar mit einer Frage, die sich uns stellt, auf die wir jedoch noch keine Antwort haben. Das erzeugt eine merkliche oder auch unmerkliche Spannung in uns, die dazu führt, dass wir uns unwohl fühlen. Wir möchten es so nicht belassen und streben danach diese innere Spannung aufzulösen.

Auch im sozialen Kontakt haben wir das Bedürfnis, das Fehlende durch zusätzliche Information bzw. Zuschreibungen, Vermutungen oder Projektionen zu ergänzen. Diese haben dann den Stellenwert von Erklärungen, welche für uns subjektiv mit einer Entlastung verbunden sind, vollkommen losgelöst davon, ob dies auch objektiv einer möglichen Wahrheit entspricht. Entscheidend ist, dass wir subjektiv davon überzeugt sind. Zumal, wenn unter Umständen andere in unserem Umfeld diesen Erklärungen und Begründungen folgen und sie mit uns teilen.

Nov 26, 202215:09
Psychologie für den Alltag - Die unmerkliche Veränderung unserer Gesellschaft

Psychologie für den Alltag - Die unmerkliche Veränderung unserer Gesellschaft

Der Konflikt zwischen dem Streben nach Freiheit und Demokratie einerseits und den Bemühungen nach mehr Macht und Kontrolle durch eine Elite andererseits geht weit in die Menschheitsgeschichte zurück. Im Verständnis der Gründer einer demokratischen Gesellschaft sollte immer schon die Macht in den Händen einer Elite liegen, da diese als die verantwortungsbewussten Menschen begriffen wurden. Auch zu Zeiten der Römer war aufgrund dessen die Macht im Senat gebündelt, so wie das auch heute noch in vielen Ländern der Fall ist. Ein Anliegen in diesem Kontext war es die Minderheit der Reichen vor der Mehrheit der Menschen zu schützen. Aufgrund dieser Überlegungen wurden Verfassungen in vielen Ländern so aufgebaut, dass sie vor einer wahren Demokratie schützen sollten. Bereits der griechische Philosoph Aristoteles (384–322 v. Chr.) hat auf die möglichen Gefahren der Demokratie hingewiesen. Um ein Aufbegehren der Masse zu verhindern schlug er deshalb vor, bestehende Ungleichheiten zu verringern. Der alternative Lösungsweg bestand darin, die Demokratie zu verringern.

Verbunden damit war die Sorge, es könne sich ein Überschuss an Demokratie entwickeln. So sehr einerseits der langfristig angelegte Versuch unternommen wurde, Demokratie­bewegungen in den Griff zu bekommen und Kontrolle einzuführen, so wenig wurde andererseits die Privatwirtschaft eingeschränkt sich mehr und mehr ausweiten zu können.

Nov 18, 202218:41
Psychologie für den Alltag - Wie gesunde Menschen zu Sadisten entarten können

Psychologie für den Alltag - Wie gesunde Menschen zu Sadisten entarten können

Philip Zimbardo, US-amerikanische Professor für Psychologie (geb. 1933) an der Stanford University, schlussfolgerte aus seinem Stanford-Prsion-Experiment: „Die Grenze zwischen Gut und Böse, die man einst für undurchdringlich hielt, hat sich vielmehr als recht durchlässig erwiesen.“ Desweiteren stellte er fest: „Jede Tat, die ein beliebiger Mensch jemals begangen hat, wie grauenhaft auch immer..., ist jedem von uns möglich – unter den richtigen oder falschen situativen Umständen.“

Im Rahmen der durch eine Krise nationalen Ausmaßes beschlossenen Maßnahmen, können Ordnungskräfte sowie auch die Polizei mit weitreichenden, bis dahin in noch nie gekannten Machtbefugnissen ausgestattet werden. Unmerklich werden auf diese Weise die zentralen und kennzeichnenden Merkmale des Stanford-Prison-Experiment flächen1deckend auf eine ganze Nation übertragen. Wie nicht anders zu erwarten kommt es in der Folge situativ und stellenweise zu Übergriffen, welche offenbaren, dass das Vorgehen der Ordnungshüter in keinem Verhältnis mehr steht zu dem gegebenen Anlass.

Nov 11, 202220:37
Psychologie für den Alltag - Können wir von Spielfilmen lernen?

Psychologie für den Alltag - Können wir von Spielfilmen lernen?

Je älter wir werden, umso mehr sind wir von den Einschränkungen der Realität geprägt. „Jetzt sei doch endlich mal vernünftig“ heißt es oft. Wir passen uns immer mehr an die offen oder verdeckt vermittelten Erwartungen an, uns nach den realen Gegebenheiten auszurichten. Wenn wir uns den kunstvollen Darstellungen hingeben, dann sollten wir es im Rahmen anerkannter und uns zugestandener Bildungsinhalte tun. Wir dürfen uns mit Goethe, Schiller, Shakespeare, Molière, Dante und Vergleichbarem auch in moderner Form befassen. Aber können es denn auch Kinofilme sein?

Selbstverständlich können es auch Kinofilme sein, warum nicht? Sofern solche Filme tiefgehende Botschaften zu vermitteln wissen, sie dies aufgrund der Qualität des Drehbuchs, der Dialoge und der Schauspieler in hervorragender Weise tun, können wir in sehr hohem Maß davon profitieren. Über diese Form der bildhaften Darstellung bekommen wir auch die Möglichkeit uns entlang des Lernens über Beobachtung und Identifikation mit bestimmten Persönlichkeiten und Charakteren weiterzuentwickeln. So wie wir uns im realen Leben sinnvollerweise und gern nach jemandem ausrichten, den wir als vorbildhaft erleben, können wir es auch anhand eines Spielfilmes tun. Wir können die von bestimmten Darstellern verkörperten Werte und Tugenden auf eine sehr wirkungsvolle und hilfreiche Art und Weise verinnerlichen, so dass unser Leben davon bestimmt wird.

Nov 05, 202229:13
Psychologie für den Alltag - Ich brauche doch keinen Seelenklempner

Psychologie für den Alltag - Ich brauche doch keinen Seelenklempner

Wir sind im Rahmen unserer Sozialisation von früh auf damit konfrontiert, verinnerlichen zu müssen, dass es mit allen Maßnahmen, die uns zuteil werden darum geht, uns zu stärken, leistungsfähig, kompetent und sozial angepasst zu sein. Tatsächliche oder vermeintliche Schwächen, Fehler und Einbußen führen zu einer Stigmatisierung – mit der Folge der Ausgrenzung. In gewisser Weise ist unsere gesamte schulische Bildung darauf ausgerichtet, die Leistungsstärke zu belohnen und vorhandene Schwächen zu bestrafen. Eine Eigenformung im Sinne der sozialen Erwünschtheit, ist das mehr oder weniger offen deklarierte Ziel. Wenn wir somit über Jahre und Jahrzehnte gelernt und verinnerlicht haben, dass Schwächen und Fehler unweigerlich Nachteile mit sich bringen, wie sollte es dann möglich sein diese zu einem bestimmten Zeitpunkt in unserem Leben uns selbst und anderen gegenüber einzugestehen?

Im Gegensatz zu einem offenen Umgang damit haben wir sogar gelernt sie zu verbergen. In diesem Zusammenhang sprechen wir von einer Neigung zur Dissimulation, womit in der Medizin das absichtliche Herunterspielen und Verbergen von Krankheitszeichen verstanden wird. Das damit verbundene Anliegen ist die Aufrechterhaltung unseres Selbstbildes. In der Alltagssprache kennen wir dieses als das Bemühen unser Gesicht zu wahren. Warum also sollten wir auf diesem Hintergrund die Hilfe eines 'Seelenklempners' in Anspruch nehmen?

Oct 28, 202217:11
Psychologie für den Alltag - Herzbusiness - Was hat es mit diesem Begriff auf sich?

Psychologie für den Alltag - Herzbusiness - Was hat es mit diesem Begriff auf sich?

Prüfen wir den Begriff bzw. das Wort Herz–Business, können wir erkennen, dass hier zwei Bedeutungsinhalte miteinander verbunden werden, die in ihrem ursprünglichen Sinngehalt keinerlei Verbindung aufweisen. Was hat Liebe mit dem Erwirtschaften von Geld zu tun? Gestehen wir es uns zu, die Tiefe der jeweiligen Wortbedeutung miteinzubeziehen, müssen wir erkennen, dass die beiden Worte Herz bzw. Liebe einerseits und Business andererseits in ihrem Sinngehalt geradezu entgegengesetzt sind und sich ausschließen. Das Herz rechnet nicht, es zieht keine Bilanz, schaut nicht nach Ertrag oder Verlust, leitet hieraus keine strategischen oder taktisch zielführenden Überlegungen ab. Das Herz hat mit Zahlen nichts im Sinn. Insofern stellt sich die Frage, wie sich diese Wort–Neuschöpfung erklären lässt?

Ganz offensichtlich werden die positiven Bedeutungsinhalte und die energetischen Wirkkräfte, die sich mit dem Herz verbinden, dazu verwendet, den Sinngehalt des Wortes Business aufzuwerten. Wenn das Business aus dem Herz kommt, kann es dann fragwürdig oder gar schlecht sein? Muss dann überhaupt noch etwas damit Verbundenes hinterfragt werden? Erklärt es sich dann nicht von selbst, dass es etwas Gutes sein muss?

Oct 21, 202216:04
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur schnellen Wunscherfüllung

Psychologie für den Alltag - Gedanken zur schnellen Wunscherfüllung

Wir sind mehr oder weniger dazu aufgefordert unser Leben nach dem Prinzip der schnellen Wunscherfüllung auszurichten. Dieses Vorgehen entspricht vollkommen unserer schnelllebigen Zeit. Wir können ohne große Hindernisse ein Auto auf Kredit kaufen und Konsumgüter aller Art erwerben. Was auch immer das Herz begehrt, es werden uns Wege und Möglichkeiten angeboten, sofort eine Bedürfnisbefriedigung herzustellen. Offensichtlich können wir uns alles leisten und das sofort. Kredite, z. B. zum Autokauf, werden uns inzwischen zinslos angeboten. Warum also unter diesen Umständen nicht auf diese verlockenden Angebote eingehen, wenn sie es uns doch ermöglichen unsere Träume hier und jetzt ohne Aufschub zu verwirklichen? Ist es nicht geradezu uncoolsich dagegen zu entscheiden?

Bei einer selbstkritischen Betrachtung können wir erkennen, dass diesem ganzen Vorgehen eine Aussage zuzuordnen ist, die sich folgendermaßen formulieren ließe: Das Ziel ist das Ziel! Damit steht diese Aussage im Gegensatz zu einem uns allen mehr oder weniger vertrauten Zitat, welches auf Konfuzius (551–479 v. Chr.), Lehrmeister und chinesischer Philosoph, zurück geht. Dieser lautet: Der Weg ist das Ziel. Anzustreben war für ihn: „Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint.“ Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht waren für ihn erstrebenswert.

Oct 14, 202215:39
Psychologie für den Alltag - Warum vertrauen wir dem Arzt mehr als einem Versicherungsvertreter?

Psychologie für den Alltag - Warum vertrauen wir dem Arzt mehr als einem Versicherungsvertreter?

Aufgrund unserer Sozialisation ist es zunächst kaum möglich uns der damit verbundenen Asymmetrie der Beziehung zwischen Arzt und Patienten zu entziehen. Die Bereitschaft zur Idealisierung auf der Seite des Patienten entspricht der Neigung und Versuchung auf Seiten des Arztes, sich selbst in der eigenen Kompetenz, Verantwortung und Einflussmöglichkeit weit zu überschätzen. Auf beiden Seiten findet sich die Neigung zu einer absoluten Betrachtung, statt eines Bewusstseins für die stets gegebene Notwendigkeit der Relativierung. Hierin liegt wohl auch die Begründung, warum das Wort des Arztes einen Stellenwert bekommt, vergleichbar mit dem Amen in der Kirche („Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.“). Hiermit wird die Absolutheit des Wahrheitsgehaltes einer diagnostischen oder therapeutischen ärztlichen Aussage ausgesprochen.
Im Verlaufe meiner psychotherapeutischen Praxis konnte ich immer wieder die Bereitschaft von Patienten erleben, sich einer anstehenden und geplanten Operation zu unterziehen, weil sie von einem bestimmten Facharzt empfohlen worden war. Meine in solchen Situationen stets gestellte Frage, ob denn die Meinung eines zweiten oder gar dritten Kollegen eingeholt worden sei, führt in solchen Fällen in der Regel zu einer irritierten und verwunderten Reaktion. Dem Patienten steht förmlich ins Gesicht geschrieben: „Wieso das denn?“.
Oct 07, 202220:47
Psychologie für den Alltag - Jemand, der sich immer beeilt, kommt meist zu spät

Psychologie für den Alltag - Jemand, der sich immer beeilt, kommt meist zu spät

Menschen, die meist zu spät kommen, fühlen sich bezüglich einer Vereinbarung bzw. Zusage, meist fremdbestimmt. Somit kommt es zu einem immer wiederkehrenden inneren Kampf. Dieser Kampf vollzieht sich zwischen dem Selbst und dem mit ihm verbundenen Bedürfnis nach Eigenständigkeit bzw. Unabhängigkeit sowie der als Fremdbestimmung empfundenen Vorgabe oder Verpflichtung. So gesehen können wir in dem jeweiligen Zuspätkommen eine Art Kompromissbildung sehen, zwischen der Unterwerfung unter die als Zwang empfundene Vereinbarung und der persönlichen Auflehnung dagegen, die sich in einem Protest artikuliert, wonach die Vorgabe – pünktlich zu sein – zurückgewiesen wird. Letztlich ist es ein Kampf zwischen einem Selbstanteil der Nein sagt und einem, der Ja sagt. Im Kommen als solches bekundet sich das Ja, in der Verspätung das Nein.

Ein solcher innerer Konflikt begleitet uns von frühester Kindheit an und lässt sich an allen möglichen Stellen unserer frühen Sozialisation erkennen. Sind wir diesbezüglich nicht in der Lage im Verlauf unserer Entwicklung Vorgaben, Vereinbarungen, Regeln und Verpflichtungen als etwas zu uns und unserem Leben Zugehöriges zu verinnerlichen sowie im Frieden damit zu leben, tragen wir zeitüberdauernd eine innere Quelle der Auflehnung und des Protestes in uns. Hieraus entspringt eine Energie, welche sich im beobachtbaren Verhalten als ein Nein zu allem als fremdbestimmt Empfundenen darstellt.

Sep 30, 202218:25
Psychologie für den Alltag - Zur Bedeutung der elektromagnetischen Kräfte in uns

Psychologie für den Alltag - Zur Bedeutung der elektromagnetischen Kräfte in uns

Alle Lebewesen auf unserem Planeten, ob Menschen, Tiere oder Pflanzen, kommunizieren auch über elektrische Schwingungen. Auf diese Weise lassen sich sowohl positive als auch negative Energien über große Distanzen übertragen und vermitteln. Haie z. B. verfügen über einen elektrischen Sinn, mit dem sie elektrische Wellen aussenden, um sie über ein Echo zu deuten. Bienen können Magnetfelder wahrnehmen und sich danach ausrichten. Fledermäuse besitzen ein so fein ausgeprägtes Gehör, dass sie in der Lage sind, sich mit Hilfe eines Sonars zu orientieren, indem sie ebenfalls eine Echoortung nutzen. Auch wenn wir Menschen zu solchen Leistungen mittels unserer Sinne nicht fähig sind, folgen wir bezüglich der elektrischen Schwingungen dem gleichen Prinzip.

Im kindlichen Alter können diese Energien in noch viel größerem Umfang unser Erleben bestimmen als im Erwachsenenalter. Im Verlauf unserer Sozialisation verlagern wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit auf unseren Intellekt und immer weniger auf unsere natürlichen Empfindungen und Gefühle. Das Sprechen und das Intellektualisieren ersetzen zunehmend die Wahrnehmung und das Äußern von Gefühlen. Und dies, obwohl die Kommunikation mittels Übertragung von energetischen bzw. elektrischen Schwingungen menschheitsgeschichtlich wesentlich älter ist als unsere kognitiven Funktionen.

Sep 23, 202218:07
Psychologie für den Alltag - Zum Stellenwert der Lupe in unserem Alltag

Psychologie für den Alltag - Zum Stellenwert der Lupe in unserem Alltag

Im Rahmen meiner psychotherapeutischen Tätigkeit arbeite ich gern und schon sehr lange mit dem Stilmittel der Vergrößerung bzw. Überzeichnung. In diesem Zusammenhang können wir von einer bewusst vorgenommenen und eingesetzten Amplifikationsprechen. Das Wort Amplifikation leitet sich aus dem Lateinischen amplificatioab und bedeutet so viel wie „Ausweitung“. Dieses im Verlauf eines psychotherapeutischen Prozesses eingesetzte Amplifizieren kann sich auf unterschiedlichste Anteile der Zusammenarbeit richten.

So kann es bedeuten einzelne Worte und Begriffe zu überzeichnen. Wenn der Patient z. B. wörtlich bekundet: „Alle sind immer gegen mich“, kann es sinnvoll sein in der Überzeichnung und Amplifikation zu spiegeln: „Sie meinen, die ganze Welt, alle Menschen auf dieser Erde, sind gegen Sie – es gibt keinen Einzigen, der nicht gegen Sie ist“. Dies ermöglicht, die von dem Patienten selbst vorgenommene einseitige und deutliche Verzerrung der Realität zu fokussieren, um ihm damit seine wenig wahrscheinliche und offensichtlich unrealistische Sicht verständlich zu machen. Dies ist deshalb so wichtig, da sein jeweiliges Verständnis und seine Sicht auf die Dinge, auf sich selbst und andere, die Gefühle bestimmt, die in ihm vorhanden sind. Kommt er in Folge der Amplifikation in die Lage zu relativieren, werden sich auch seine Gefühle und seine Befindlichkeit verändern können. Vergleichbares gilt für unsere Alltagsbegegnungen.

Sep 16, 202213:21
Psychologie für den Alltag - Zum Stellenwert der Ästhetik in unserem Leben

Psychologie für den Alltag - Zum Stellenwert der Ästhetik in unserem Leben

Der Begriff Ästhetik stammt aus dem Altgriechischen und bezieht sich auf die Wahrnehmung und das Empfinden, bedeutet somit die Lehre von der Wahrnehmung und vom sinnlichen Anschauen – wir können ihn ebenso verbinden mit der Lehre, welche sich auf die Schönheit bezieht. Untrennbar ist der Begriff der Ästhetik mit unseren Sinnesorganen verbunden, denn nur anhand dieser sind wir in der Lage etwas, das uns umgibt, aufzunehmen, wahrzunehmen, zu erkennen und mit einem Sinneseindruck zu verbinden, welcher wiederum ein Gefühl auslösen kann.

Platon, einer der größten griechischen Philosophen, war der Überzeugung, dass die Seele des Menschen grundsätzlich dem Schönen zugeneigt ist. Die Ästhetik in Form der Schönheit wird von Platon gar in ein Verhältnis zum Göttlichen gesetzt.  Die Ästhetik der Schönheit bekommt bei ihm einen spirituellen Charakter. Über das Erkennen der Ästhetik des einzelnen Körpers ebnet sich seiner Ansicht nach der Weg zur „Schönheit in den Seelen“ – wobei wir erkennen sollen, dass alles Schöne miteinander verbunden ist.

Sep 09, 202218:42
Psychologie für den Alltag - Brauchen wir Menschen mit Charisma?

Psychologie für den Alltag - Brauchen wir Menschen mit Charisma?

In einem Menschen mit Charisma fokussieren sich unter Umständen viele Hoffnungen, Wünsche und Sehnsüchte, deren Verwirklichung mit ihm verbunden werden. Nicht selten wird seine Erscheinung und sein Wirken als Ausdruck einer von höherer Stelle, schicksalshaft auferlegten Mission interpretiert. Mit ihm verbindet sich somit die Hoffnung auf ein besseres Leben, vielleicht auch eine Rettung aus schwierigen Lebensumständen. In diesem Verständnis einer gegenseitigen Wechselwirkung zwischen dem charismatischen Menschen und den ihm diese Wirkung Zusprechenden, können wir feststellen, dass es sich beim Charisma immer um das Ergebnis eines sozialen Prozesses handelt, der sich zwischen Menschen vollzieht.

In diesem Zusammenspiel lassen sich gewisse kennzeichnende und wiederkehrende Merkmale erkennen. So sind charismatische Persönlichkeiten sehr gut in der Lage aufgrund ihrer eigenen Emotionalität bei anderen starke Gefühle zu wecken. Auch zeichnen sie sich durch erkennbare Unabhängigkeit und authentische Stärke aus. Sie stehen für Visionen mit denen sich Menschen identifizieren können und wirken damit inspirierend und motivierend. Auf diese Weise sind sie in der Lage, auch andere Menschen deren persönliche Stärken entdecken und zur Wirkung kommen zu lassen.

Sep 01, 202221:02
Psychologie für den Alltag - Gedanken zum Wissen und Nicht-Wissen

Psychologie für den Alltag - Gedanken zum Wissen und Nicht-Wissen

Sehen wir eine Ansammlung von Punkten auf einer Leinwand, erscheint diese fast zufällig, ohne Zusammenhang und ohne erkennbaren Sinn, nahezu willkürlich in der Anordnung. Es bleibt unserer Phantasie überlassen einen möglichen Zusammenhang herzustellen.

Kennen wir jedoch die tatsächlich bestehende Verbindung zwischen den Punkten, verändert sich unser Verständnis grundlegend und wir können einen Sinn in der Anordnung finden. Es lassen sich Zusammenhänge herstellen, die zu einem gänzlich anderen Bild führen. Es entstehen dann unter Umständen uns bekannte und vertraute Formen und Strukturen, die zuvor verborgen waren. So können wir durch die Verbindungslinien plötzlich einen dreidimensionalen Würfel erkennen oder in einem anderen Fall das Gesicht eines Menschen. In gleicher Weise kann dies in unserem sozialen Alltag geschehen. Aufgrund des Wissens, wie eine bestehende Verbindung gegeben sein kann, kommen wir zu ganz anderen, vielleicht weiterführenden Erkenntnissen.

Aug 25, 202213:38
Psychologie für den Alltag - Warum verhalten wir uns so oft konform?

Psychologie für den Alltag - Warum verhalten wir uns so oft konform?

Der verführerische Vorteil, den die Konformität mit sich bringt, ist die vermeintliche Abgabe der Verantwortung. Wenn alle es tun, dann bin ich für mein eigenes Tun nicht mehr verantwortlich, denn dann kann ich auf alle anderen verweisen. Mit dem Strom zu schwimmen lässt sich viel leichter und angenehmer bewältigen als gegen den Strom. Wobei diese Art des gruppenkonformen Verhaltens ganz unterschiedliche Formen annehmen kann. Ist es das Anliegen der Gruppe, gleichförmigen, konventionellen und konservativen Werten gerecht zu werden, stellt sich die Konformität ganz anders dar, als wenn es das Bestreben der Gruppe ist, dagegen zu sein, sich abzuheben, unkonventionell und individualistisch zu sein. Auch diese Inhalte können wie Vorgaben wirken und somit einen Druck bzw. Zwang ausüben. Die Gruppendynamik als solche bleibt sich gleich, unterschiedlich ist, wofür diese Dynamik verwendet wird.

Sich selbst entdecken zu dürfen, losgelöst von welcher Bezugsgruppe auch immer, ist für die meisten von uns eine zunächst vollkommen neue Erfahrung. Was soll es denn da zu entdecken geben, wenn ein Bezugspunkt im Außen fehlt, werden viele fragen. Jedoch besteht genau darin die Herausforderung und auch die Chance die wir haben, auf eine ganz besondere Weise tiefgehende Erfahrungen mit uns selbst zu machen.

Aug 18, 202219:12
Psychologie für den Alltag - Es lohnt sich gut für sich zu sorgen

Psychologie für den Alltag - Es lohnt sich gut für sich zu sorgen

Das Leben in unserer westlichen, modernen und an allen möglichen Stellen technisierten Welt ist zu vielen Gelegenheiten in so hohem Maße komplex und vielschichtig geworden, dass die Möglichkeit, uns auf automatisiert ablaufende Muster des Denkens, Fühlens und Verhaltens zu verlassen, immer mehr mit einem Risiko bzw. einer Gefahr behaftet ist. Insofern sollten wir über ein höheres Ausmaß an Bewusstheit sicherstellen, dass wir uns im Denken, Fühlen und Verhalten gemäß dem ausrichten, womit wir uns weitgehend oder vollständig identifizieren können. Dies bedeutet, behutsamer mit der in uns angelegten Bereitschaft uns unseren Automatismen hinzugeben, umzugehen.

Hierbei können uns die Gelegenheiten der Selbstbesinnung helfen, ob in einem meditativen Zustand, einem Austausch mit einem vertrauten und nahestehenden Menschen oder in einer Selbsterfahrung in Verbindung mit einem professionellen Helfer, Ratgeber oder Therapeuten. Natürlich erfordern diese Formen der Konfrontation mit dem eigenen Selbst die Bereitschaft, uns selbst gegenüber und auch einem anderen gegenüber sich zu öffnen. Wobei auch hier – wie an vielen anderen Stellen sozialen Miteinanders – die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit eine notwendige Voraussetzung ist.

Aug 11, 202216:47
Psychologie für den Alltag - Warum sollten wir in den Spiegel schauen?

Psychologie für den Alltag - Warum sollten wir in den Spiegel schauen?

Sowohl die persönliche Entscheidung für und Festlegung auf bestimmte Überzeugungen, Werte und Grundhaltungen, welche wir in uns tragen, als auch deren Verwirklichung in unserem Agieren, setzt eine notwendige Reflexion über uns selbst voraus. So wie wir etwas außerhalb von uns Befindliches anschauen, prüfen, bewerten und begutachten, können wir es mit uns selbst tun; mit dem, was wir denken, empfinden und an Verhalten zeigen. Wir machen uns selbst damit zum Objekt unserer eigenen Betrachtung.

Die Bereitschaft zur Selbstreflexion setzt eine notwendige Aufrichtigkeit uns selbst gegenüber voraus. Es bedeutet, uns auf diese Weise in einem inneren Spiegel zu betrachten, den wir uns bereitwillig vorhalten. Bei diesem Versuch macht es wenig Sinn uns von unseren Wünschen und Bedürfnissen leiten zu lassen. Dies birgt die Gefahr in sich, weniger das reale Selbst zu sehen, als vielmehr ein idealisiertes und erwünschtes Selbst. Insofern erfordert diese Bereitschaft zur Selbstreflexion auch eine notwendige innere Distanz sowie eine Fähigkeit zur Selbstkritik. Ohne Zweifel stellt dies eine Herausforderung dar, der viele Menschen zunächst nicht gewachsen sind. Diese Bereitschaft können wir zunächst jedem zusprechen, der bereit ist, sich im Rahmen einer psychotherapeutischen Arbeit, mit dem eigenen Selbst auseinanderzusetzen.

Aug 04, 202217:45
Psychologie für den Alltag - Bestimmt die Materie unseren Geist oder unser Geist die Materie?

Psychologie für den Alltag - Bestimmt die Materie unseren Geist oder unser Geist die Materie?

Aus Sicht der Quantenphysik entfaltet sich die Welt aus dieser Leere. Alles tritt aus dem Zustand der Leere, dem Vakuum, in eine wirkliche Erscheinung. Erwin Schrödinger (1887–1961), Physiker und Nobelpreisträger, sagte 1956 hierzu: „Unsere jetzige Denkweise hätte eine kleine Bluttransfusion aus östlichem Gedankengut notwendig.“ Max Planck (1858–1947), Physiker und Nobel-preisträger, meinte: „Es gibt keine Materie, sondern nur ein Gewebe von Energien, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wurde […]“

Diesen intelligenten Geist können wir als unser Bewusstsein verstehen. Es ermöglicht die in dem Feld bzw. dem Meer aller Möglichkeiten liegenden Information durch Erkennen und Verarbeiten über die Vernunft zu öffnen.

In gleicher Weise ermöglicht unser Unterbewusstsein diese Information zu erkennen und zu verarbeiten, hier jedoch über unsere Gefühle bzw. unsere Intuition.

Ohne das Bewusstsein kann es somit keine Welt geben. Alle Erfahrung, alles Wissen, das wir haben, entstand über unser Bewusstsein.

Jul 28, 202220:55
Psychologie für den Alltag - Viele fühlen sich berufen, doch nur wenige sind auserwählt

Psychologie für den Alltag - Viele fühlen sich berufen, doch nur wenige sind auserwählt

Manchmal wird von bestimmten Menschen die subjektive Gewissheit berufen zu sein in Verbindung mit einem selbst erlebten, sogenannten Erweckungserlebnis gebracht. Ein solches ist als ein einschneidendes subjektives Erlebnis plötzlichen Ergriffenseins durch eine Erkenntnis bzw. Erleuchtung zu verstehen, was in der Folge zu einer radikalen Kehrtwende im Leben und zur völligen Hingabe an einen bestimmten Inhalt führen kann. Im Rahmen des Christentums sind solche Erweckungserlebnisse immer an Gott bzw. Christus gebunden. Das kennzeichnende Merkmal dieser Erlebnisse ist es, dass sie vom Augenblick der offensichtlichen subjektiven Erleuchtung mit einer empfundenen Gewissheit einhergehen, sich auf dem wahren, angemessenen und richtigen Weg zu befinden. Korrekturen bzw. differenzierte Betrachtungen sind in der Folge kaum noch möglich. Der Betroffene ist von dem, was ihn erfüllt, beseelt. Es bildet die motivierende Grundlage für das Denken, Fühlen und Verhalten, so dass es nur noch darum geht eine Form zu finden, diesem Ausdruck zu verleihen.

Jul 20, 202219:01
Psychologie für den Alltag - Es muss doch auch anders gehen

Psychologie für den Alltag - Es muss doch auch anders gehen

Im Verlauf meiner psychotherapeutischen Praxis sehe ich mich immer wieder veranlasst, in einem zu besprechenden Kontext auch auf diese Lebensweisheit zu verweisen. So banal die Erkenntnis zu sein scheint, dass vor dem Lohn die Arbeit steht, so schwierig erscheint es zeitweise diese Wahrheit zu vermitteln. Der Einsicht und Erkenntnis stehen eine tief verwurzelte Sehnsucht bzw. zeitweise auch eine damit verbundene Überzeugung entgegen, die besagt: Aber es muss doch auch anders gehen, sodass ich zuerst den Lohn bekomme, um dann voller Motivation die Arbeit zu erledigen. Allein die Tatsache, dass die in den Aussagen und Feststellungen von Hesiod enthaltene Botschaft bereits vor über zweieinhalb Jahrtausenden in dieser Weise betont und auch bekundet werden musste, offenbart, wie lange wir schon als Menschen von dem gegenteiligen Bestreben bestimmt zu sein scheinen. Zunächst hätten wir gern die Belohnung, Tugend bzw. den Erfolg, dann sind wir u. U. auch bereit, das dazu Notwendige zu tun.

Jul 13, 202219:35
Psychologie für den Alltag - Mit dem Rücken an der Wand stehen

Psychologie für den Alltag - Mit dem Rücken an der Wand stehen

In manchen Situationen des sozialen Alltags scheint es so, als stünde eine betroffene Person mit dem Rücken an der Wand und sei damit beschäftigt, die vermeintlichen Angriffe, denen sie sich ausgesetzt fühlt, abzuwehren. Im Kontext solcher alltäglicher sozialer Beziehungen und Interaktionen sprechen wir von einer defensiven Haltung, die sich vermittelt. Sie möchten jemandem, der Ihnen möglicherweise nahesteht, etwas ihn Betreffendes mitteilen, vielleicht einen Hinweis, etwas Versäumtes bzw. Vergessenes oder auch etwas, das im Sinne einer Rückmeldung oder Spiegelung zu verstehen ist, doch sie stellen fest, dass die betroffene Person sofort beginnt sich zu rechtfertigen, zu erklären und Ihnen unter Umständen zu verstehen gibt, dass Sie das falsch sehen. Sofern wir aus Erfahrung mit manchen Menschen und deren diesbezüglichen Reaktionen vertraut sind, beginnen wir uns meist vorher bereits zu überlegen, ob eine entsprechende Mitteilung überhaupt Sinn macht, da wir erfahrungsgemäß wissen, dass wir sehr wahrscheinlich umgehend mit einer sehr defensiven Haltung konfrontiert sein werden. Wie ist das zu verstehen?

Jul 06, 202216:39
Psychologie für den Alltag - Sein und Schein

Psychologie für den Alltag - Sein und Schein

Meine Erfahrungen aus den psychotherapeutischen Behandlungen zeigen, dass das Bemühen von vielen Patienten dahin geht, heraus-zufinden, wie sie sich verhalten sollten, was folglich häufig in der Frage zum Ausdruck kommt „was soll ich denn tun?“ Hiermit verbunden ist eine mehr oder weniger ausgeprägte Bereitschaft sich Erwartungen und Anforderungen anzupassen. Dies im Glauben, dass sich die möglichen, bestehenden und wiederkehrenden Konflikte, Probleme und Schwierigkeiten dadurch reduzieren ließen. Es ist ein wichtiger Schritt im Rahmen der Arbeit an sich selbst zu erkennen, dass es nicht um das Vollziehen einer Anpassungsleistung geht, sondern darum, zu erkennen, was den eigenen tiefen, inneren Bedürfnissen, Wünschen und Überzeugungen entspricht. Mit der Frage „was will ich?“ ist der Bezug zum eigenen Selbst hergestellt.

Es geht darum herauszufinden, was dem eigenen Herzen entspringt. Hierzu gilt es sich zu bekennen, möge es einem erwünschten Selbst entsprechen oder auch davon abweichen. Es gilt das anzuerkennen, was real vorhanden ist und nicht einem phantasierten Wunsch zu entsprechen. Angestrebte Veränderungen sollten bestenfalls in der Tiefe des eigenen Selbst erfolgen.

Jun 29, 202215:57
Psychologie für den Alltag - Zum Glück bin ich nicht wie meine Mutter

Psychologie für den Alltag - Zum Glück bin ich nicht wie meine Mutter

So sehr aus den Schilderungen erkennbar ist, wie stark Patienten unter erlebten Eigenarten der Eltern, sei es Mutter oder Vater bzw. auch beide zugleich, zu leiden hatten, so wenig ist in ihnen in den meisten Fällen ein Bewusstsein vorhanden, dass sie selbst viele dieser beschriebenen Persönlichkeitszüge verinnerlicht haben. Dies bedeutet und hat zur Folge, dass sie sich im Erleben anderer durchaus in gleicher Weise wahrnehmen lassen, wie sie es in ihren Schilderungen von der eigenen Mutter oder dem eigenen Vater berichten.

Somit ist es nichts Ungewöhnliches, wenn ein Patient, der von der Kälte, Distanziertheit, Uneinfühlsamkeit sowie der stets berechnenden und selbstbezogenen Haltung seiner Mutter berichtet, welcher er sich immer ausgesetzt fühlte, in seinem eigenen Denken, Empfinden und Verhalten die gleichen Züge erkennen lässt. Dies zeigt sich unter anderem in den Schilderungen seiner aktuellen Konflikte und Auseinandersetzungen mit seiner Ehefrau, dem Sohn oder der Tochter, Geschwistern und den berichteten sozialen Situationen aus seinem privaten und beruflichen Umfeld. Anhand seiner Schilderungen lässt sich sehr deutlich erkennen, wie wenig einfühlsam er für die Bedürfnisse und Nöte der anderen ist, wie kalt und distanziert er seine Beziehungen gestaltet und zugleich stets um sich selbst besorgt ist, stets das Gefühl hat, zu kurz zu kommen, sich in allen möglichen Situationen benachteiligt fühlt und sein Verhalten nach dem Prinzip „Angriff ist die beste Verteidigung“ ausgerichtet hat.

Jun 22, 202220:60
Psychologie für den Alltag - Die Nachteile des Kopfkinos

Psychologie für den Alltag - Die Nachteile des Kopfkinos

Die intensive Arbeit mit unterschiedlichen Menschen im Rahmen einer tiefenpsychologischen oder analytischen Psychotherapie offenbart, wie intensiv und wie häufig wir Menschen mit Hilfe unserer Imagination dazu neigen – vergleichbar der Visualisierung des Schattenboxers – uns mit imaginären Gegnern auseinanderzusetzen. Seien es Menschen im sehr nahen Umfeld oder Menschen im erweiterten Umfeld bzw. Menschen, die wir noch gar nicht getroffen haben. Jeder kann sich dazu im Rahmen des Schattenboxens für einen imaginären Kampf anbieten. Grundlage dafür sind reale oder phantasierte Konflikte, die mit Infragestellungen, Kränkungen, Verletzungen oder auch Vorwürfen und Anklagen verbunden sind. Auch diese können real sein oder aber den eigenen Vorstellungen und Phantasien entspringen.

Wir kennen alle solche geistigen Vorstellungen und können sie zutreffend mit dem Begriff des Kopfkinos verbinden. In diesem Zustand verselbstständigen sich unsere Gedanken. Es kommt zu einem automatisierten Denken, welches kein erkennbares Ziel zu haben scheint. Kennzeichnend sind die wiederkehrend gleichen Schleifen im Denken.

Jun 15, 202222:33
Psychologie für den Alltag - Drei Säulen bestimmen unser Leben

Psychologie für den Alltag - Drei Säulen bestimmen unser Leben

Haben wir das Glück und es geht uns sowohl auf der körperlichen als auch auf der seelischen und geistigen Ebene unseres Seins gut, ist es verständlich, dass wir diesen Zustand aufrechterhalten möchten. Wenn wir uns in diesem Zustand des Wohlgefühls befinden, werden wir sehr wahrscheinlich die ihn kennzeichnenden Merkmale wertschätzen und danach streben, sie so zu belassen. Wir können sagen: Wir lieben es, uns so zu fühlen.

Ein solcher Zustand setzt im Allgemeinen eine Ausgewogenheit zwischen drei wesentlichen Säulen voraus, die unser ganzes Leben bestimmen. Befinden sich diese Säulen in einem relativen Zustand des Gleichgewichts untereinander, dann steht unser persönliches Haus auf einer guten und gesunden Grundlage. Diese drei Säulen können wir als Stützpfeiler begreifen.

Jun 06, 202220:51
Psychologie für den Alltag - Das gesunde Empfinden

Psychologie für den Alltag - Das gesunde Empfinden

Die Erfahrung zeigt, dass u. U. sowohl das Verständnis einer schwierigen Situation als auch eine damit verbundene Deutung und Bewertung sich wesentlich leichter und schneller erschließen lässt, wenn wir uns die Frage nach unserem 'gesunden Empfinden' stellen, als wenn wir uns in umständlichen und komplizierten Überlegungen verlieren. Leider geht die Fähigkeit, sich von solchen ‚gesunden‘ Empfindungen leiten zu lassen, aufgrund unserer Sozialisation – welche sehr stark auf die Fokussierung des Intellekts ausgerichtet ist – zunehmend verloren.

Wenn wir davon ausgehen, dass uns allen ein solches gesundes Empfinden zur Verfügung steht, ist es zugleich etwas, das von einer spezifischen Bildung bzw. intellektuellen Leistungsfähigkeit unabhängig ist. Da es uns somit grundsätzlich möglich ist, es in die Deutung und Bewertung dessen, was uns begegnet miteinzubeziehen, sollten wir unserem Empfinden eine entsprechende Wertschätzung zukommen lassen.

Jun 01, 202216:40
Psychologie für den Alltag - Zum Stellenwert des Übens

Psychologie für den Alltag - Zum Stellenwert des Übens

Im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit bin ich immer wieder mit dem erkennbaren Widerstand von Patienten gegen die Notwendigkeit konfrontiert, neue Vorgehensweisen zu üben und anzuwenden. Verständlicherweise besteht das Bedürfnis darin, es solle doch von jetzt auf gleich gehen oder zumindest in einem überschaubaren Zeitraum, nicht aber Monate oder gar länger in Anspruch nehmen. Auch wenn es sich um Jahrzehnte andauernde alte Muster des Denkens, Erlebens und Verhaltens handelt, ist der Wunsch bestimmend, diese in relativ kurzer Zeit zu überwinden und durch neue und sichere Muster auszutauschen. Vor allem auch in diesem Zusammenhang ist von vielen Patienten der Satz zu hören: „Ja, aber das ist sehr anstrengend und ist mit viel Überwindung verbunden“.

Bestehen solche Automatismen des Erlebens über viele Jahre oder Jahrzehnte, wird es umso schwieriger und langwieriger sie abzulegen und der dafür nötige Aufwand lässt sich nur mühsam und mit viel Geduld vermitteln. Es muss die tiefe Einsicht gegeben sein, solche Automatismen nur über bewusstes Üben der alternativen, wünschenswerten und gesunden Vorgehensweisen im Denken, Fühlen und Verhalten überwinden zu können.

May 25, 202217:58
Psychologie für den Alltag - Gedanken zum Tragen von Verantwortung

Psychologie für den Alltag - Gedanken zum Tragen von Verantwortung

Im Verlauf unserer Sozialisation haben wir über viele Jahre (Kindergarten, Grundschule, Hauptschule und weiterführende Schulen) in vielen Situationen gelernt, Verantwortung von uns zu weisen, uns als unbeteiligt an der Verursachung darzustellen. Wir greifen damit zurück auf ein Vorgehen, welches uns schon in unserer Kindheit und Jugend zu bestimmten Zeiten bestimmt hat. Wir alle haben die Erfahrung gemacht, dass wir uns auf die Frage „Wer war das? Wer ist dafür verantwortlich?“ gerne bedeckt gehalten haben und unseren Anteil verbergen wollten.

Leider haben wir auch in den uns repräsentierenden, gewählten gesellschaftlichen Vertretern auf allen Ebenen des sozialen Zusammenlebens diesbezüglich keine positiven Vorbilder. Auch hier können wir stets von neuem erleben, wie weit entfernt sich diese zum einen von den konkreten alltäglichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen selbst erleben, zum anderen werden hier in besonderer Weise bei negativen Auswirkungen von Entscheidungen, Rechtfertigungen und Zurückweisungen von Verantwortung und Schuld vorgenommen. Somit kommt diesen Persönlichkeiten vielmehr der Charakter eines negativen Vorbildes zu.

May 18, 202219:27
Psychologie für den Alltag - Gedanken zum Unbewussten und zur Intuition

Psychologie für den Alltag - Gedanken zum Unbewussten und zur Intuition

In Anbetracht der Bedeutung und des Stellenwertes unseres Unbewussten, sowohl des individuellen als auch des kollektiven, ist es für jemanden, der gelernt hat diese real existierende Ebene unseres Denkens, Fühlens und Handelns mit einzubeziehen und zu berücksichtigen, kaum verständlich und nachvollziehbar, wieso viele Menschen im alltäglichen Leben den Anspruch haben, genau zu wissen, was in ihnen vorgeht, warum sie etwas konkretes denken, empfinden, entscheiden oder tun.

Wir können im Allgemeinen feststellen, dass diese vermeintliche Sicherheit und Gewissheit leider umso mehr vermittelt wird, je mehr es sich um Menschen handelt, die in mit hoher Verantwortung für ihr Entscheiden und Handeln ausgestattet sind. Gerade hier sollte die kritische Prüfung im Sinne einer Selbstreflexion ihren selbstverständlichen Platz haben. Dies unter Einbeziehung der Frage, was könnte außer den bewussten Gedanken und Empfindungen noch motivierend wirksam sein, was sich dem Bewusstsein jedoch zunächst entzieht. Wollen wir uns wirklich unserem Unbewussten öffnen, kann dies nur über solche In-Frage-Stellungen geschehen.

May 11, 202215:08
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Leichtgläubigkeit

Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Leichtgläubigkeit

Neigen wir zu Leichtgläubigkeit, sind wir in größerem Ausmaß auch bereit uns von einem Schein blenden zu lassen und nicht nach dem wahren Sein zu fragen.

Der Schein hat immer schon die Bedeutung von etwas, das wir mit strahlen, leuchten und glänzen verbinden. Seit dem 15. Jahrhundert ist die Bedeutung des äußeren Aussehens und des Trugbildes damit verbunden. Im Gegensatz hierzu steht das wahre Sein bzw. die Wirklichkeit, welche sich hinter einem Schein verbirgt. Verwandt mit der Wortbedeutung kennen wir die Redensart, wonach etwas oder jemand ‚mehr Schein als Sein‘ ist. Sind Menschen davon betroffen, haben wir es nicht selten mit sogenannten narzisstischen Persönlichkeiten zu tun. Im schlimmsten Fall einer solchen Persönlichkeit könnten wir es mit einem sogenannten Hochstapler zu tun haben, der vorgibt etwas zu wollen, was wir im Allgemeinen als positiv empfinden und bewerten, tatsächlich jedoch etwas davon Abweichendes und Verborgenes sowie Schädliches im Sinn hat.

May 04, 202222:25
Psychologie für den Alltag - Das Gute und das Schlechte in uns

Psychologie für den Alltag - Das Gute und das Schlechte in uns

So sehr wir auf allen Ebenen unseres Lebens über die letzten Jahrhunderte unfassbare Entwicklungen und Fortschritte vollzogen haben, so wenig hat sich unser grundlegendes Verständnis von der in uns vorhandenen, uns bestimmenden Dynamik der widerstreitenden seelischen Kräfte weiterentwickelt. In gewisser Weise schauen wir – im Bild gesprochen – mit der gleichen Naivität uns selbst gegenüber in einen Spiegel, wie wir es bereits vor Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden getan haben. Unverändert sind wir bestrebt so zu tun „als ob“ wir ausschließlich von tugendhaften Motiven in unserem Denken, Empfinden und Verhalten bestimmt wären. Wird es, aufgrund dessen, was wir gesagt oder entschieden und getan haben, offensichtlich, dass das nicht sein kann, haben wir meist genügend bewusste Erklärungen und Rechtfertigungen anzubieten, die alles verständlich machen sollen.

Apr 27, 202221:25